Corona & Social Media - Solidarität oder Selbstdarstellung?

Seit Ausbruch der Corona-Krise verzeichnen Facebook und Instagram einen Zuwachs der Nutzung um ganze 40 Prozent. Live Workouts, Talks, Workshops und neue Story-Formate wohin das Auge reicht - und wir mittendrin! Aber warum ist das so? Tut uns dieser Overload noch gut? Und wie verhält man sich im Netz gerade angemessen? Diese Fragen habe ich mit meinen Freundinnen Vivien Wysocki und Theresa Hein besprochen. Beide sind ebenfalls viel im Netz unterwegs und haben mir von ihren Gefühlen und Erfahrungen berichtet. Das Gespräch erschien zunächst bei IGTV und ist nun auch hier verfügbar:



Da ich im Home Office arbeite und sämtliche Veranstaltungen, Reisen und Treffen aufgrund der Krise ausfallen, habe ich jede Menge Zeit. Die verbringe ich zu großen Teilen im Internet. Mir macht es zurzeit besonders viel Spaß, Social Media zu nutzen. Es ist eine Möglichkeit, mit anderen Menschen im Kontakt zu bleiben. Hinzu kommen Live-Workouts, Online-Workshops und zahlreiche weitere kreative und häufig kostenlose Angebote, die verschiedenste Anbieter seit der Krise ins Leben gerufen haben.

Auch ich selbst habe in den letzten Wochen vor allem bei Instagram mehr Inhalte produziert als vor Corona. Das liegt nicht nur daran, dass ich mehr Zeit habe, sondern auch daran, dass mir der Austausch mit anderen aktuell sehr gut tut und ich verschiedene Botschaften vermitteln möchte, die mir am Herzen liegen. Damit bin ich nicht alleine. Wie eingangs bereits beschrieben, verzeichnen soziale Netzwerke derzeit einen signifikanten Anstieg der Nutzungsrate und Millionen von Nutzern produzieren Inhalte für ihre Follower.


Wie es im Netz ja meistens so ist, gibt es nun natürlich auch Menschen, die sich über diese Entwicklung beschweren. Der Hashtag #stayhome würde inflationär verwendet und nur zur eigenen Selbstdarstellung genutzt, lautet die Kritik. Influencer wären absolut unauthentisch, weil sie weiterhin Werbung für Kleidung und Müsliriegel machen. Ich, die bereits mehrere Artikel mit scharfer Kritik an Influencern veröffentlicht hat, stimme hier ausnahmsweise nicht zu. Meiner Meinung nach gibt es keinen Grund, als Influencer derzeit auf das eigene Einkommen, das sich nunmal über Werbung finanziert, zu verzichten. Die allermeisten Creator im Netz sensibilisieren ihre Followerschaft für das schwierige Thema und gehen als gutes Beispiel voran, indem sie zu Hause bleiben. Ob sie von dort dann Fotos ihrer aktuellen Werbedeals knipsen oder nicht, ist mir herzlich egal. Wenn ich mich davon nicht abgeholt fühle, lösche ich den Account aus meiner Liste, et voilà. Kein Grund, sich aufzuregen.


Ebenso wenig teile ich die Kritik, die meisten nutzten Corona nun zur Selbstdarstellung. Ja, Social Media ist Selbstdarstellung. Immer. Nicht nur in der aktuellen Krise. Doch gerade jetzt zeigt sich, dass da noch viel mehr möglich ist. Solidarität und Kreativität bestimmen meinen Eindruck von der derzeitigen Social Media-Welt. Daran nehme ich gerne teil und versuche, meinen kleinen Beitrag im Strom der Inhalte zu leisten.


Ich verstehe, dass der Trubel, der gerade im Netz geschieht, manchen zu viel wird. Ich verstehe, dass sich Nutzer überfordert, überladen fühlen. Das Tolle ist: Jeder kann sich selbst individuell zusammenstellen, welche Inhalte er sehen möchte. Gefällt mir ein Profil nicht mehr, entfolge ich. Stören mich die sozialen Medien insgesamt, lösche ich die Apps. So einfach ist das heutzutage.


Umso weniger kann ich nachvollziehen, dass einige derzeit nichts besseres zu tun haben, als zu haten und zu bashen, was das Zeug hält. Ja, die Krise strapaziert unsere Nerven. Aber je anstrengender die Welt da draußen ist, desto schöner sollten wir sie uns doch auf unseren Smartphones gestalten. Das ist das Fazit meines Gesprächs mit Vivien und Theresa. Auch wenn wir in einigen Punkten nicht ganz übereinstimmen, sind wir uns da vollkommen einig.


Schaut euch das Video gerne an und hinterlasst mir eure Gedanken zum Thema Social Media und Corona. Ich freue mich jedenfalls bereits jetzt, solche Diskussionen mit meinen Freundinnen bald wieder im Café, statt im virtuellen Raum zu führen. Bis dahin treffen wir uns eben im Videochat. Auch das ist wunderbar, an der Welt im Netz.

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