Der "richtige" Weg in den Journalismus

Aktualisiert: 25. Juni 2020

Journalistin zu werden war immer mein Traum. Solange ich mich erinnern kann, wollte ich nie etwas anderes. Deshalb habe ich früh begonnen, mir zu überlegen, wie ich diesen Traum zu meiner Realität machen kann. Die Antwort ist gar nicht so leicht. Denn Wege in den Journalismus gibt es viele.


Eigentlich ist Journalismus ein Handwerk und Journalist ein Ausbildungsberuf. Die Ausbildung zum Redakteur beziehungsweise zur Redakteurin wird in Deutschland Volontariat genannt. Anders als bei „normalen“ Ausbildungen, wie der zur Bürokauffrau oder zum Mechatroniker, ist das Volontariat nicht einheitlich geregelt und es gibt keine klassischen Berufsschulen, an denen man Journalist werden kann.

Um die Verwirrung komplett zu machen, sei an dieser Stelle gesagt, dass einige meiner Kollegen sogar überhaupt nicht volontiert haben und stattdessen über Nebenjobs oder einen Quereinstieg zum Redakteur wurden. Ihr merkt: Die Wege in den Journalismus sind wirklich wahnsinnig vielfältig und ich kann hier nur aufzeichnen, welcher Weg der wohl klassischste ist. Es ist der, den ich selbst gewählt habe: Abitur, Studium, Volontariat.

Journalist werden: Was soll ich studieren?

Ein abgeschlossenes Studium ist bei vielen Verlagen und Sendern heute die Grundvoraussetzung, um einen Volo-Platz zu erhalten. Ein Volo ohne abgeschlossenes Studium beginnen zu dürfen, ist eher selten. Was man studiert hat, ist aber oft gar nicht so wichtig. Manche studieren Journalismus, andere studieren Kommunikation, wieder andere entscheiden sich für ein völlig anderes Fach wie Naturwissenschaften oder Jura. Viele raten dazu, sich von Anfang an ein Themengebiet auszusuchen, in dem man Experte sein will. Daher ist es wirklich keine schlechte Idee, Sportwissenschaften zu studieren, wenn man weiß, dass man später über Sport schreiben will, oder Physik zu studieren, wenn man in den Wissenschaftsjournalismus will und so weiter und so fort. Mein Tipp: Einfach das Studieren, was einen selbst am meisten interessiert! Und ganz wichtig: Praxis durch möglichst viele Praktika oder eine freie Mitarbeit. In meinem Fall hat es jedenfalls niemanden wirklich interessiert, dass ich Medien- und Kommunikationswissenschaften und Soziologie studiert habe. Die Praxis-Stationen in meinem Lebenslauf waren viel wichtiger. Selbstverständlich könnte man nach dem Bachelor auch noch einen Master machen. Ich habe bisher aber noch nie gehört, dass das einem meiner Kollegen wirklich weitergeholfen hat, normalerweise reicht ein Bachelor vollkommen aus.

Nach dem Studium kommt das Volo und auch hier gibt es zahlreiche Unterschiede: Jeder Sender, jede Redaktion, jeder Verlag legt selbst fest, wie er das Volontariat gestaltet. Diese Art der Ausbildung ist weder tariflich geregelt, noch gibt es irgendwelche anderen festen Vorschriften, wie so ein Volo auszusehen hat. Deshalb ist es sehr wichtig, wo man seine Ausbildung zum Journalisten macht. Während eines Schulpraktikums sagte mir mal ein Journalist: „Volo ist Volo!“ – heute muss ich sagen, dass das meiner Meinung nach völliger Schwachsinn ist. In manchen Redaktionen sind Volontäre einfach nur schlecht bezahlte Arbeitskräfte, die keinerlei besondere Förderung erhalten und vom ersten Tag an mitschuften müssen.

In anderen Redaktionen absolvieren Volontäre verschieden Stationen und Ressorts, erhalten spezielle Schulungen und haben regelmäßige Feedback-Gespräche. Es liegt auf der Hand, dass man bei dieser Version deutlich mehr lernt. Leider neigen gerade kleinere, regionale Redaktionen häufig dazu, die Ausbildung ihrer Nachwuchskräfte zu vernachlässigen. Ich würde deshalb sagen, dass ein Volontariat bei einem großen Sender oder einem großen Verlag oft besser ist. Aber das ist wirklich sehr individuell und es gibt sicherlich auch gute Ausbildungen in kleinen Redaktionen und schlechte bei großen.

Den richtigen Weg zu finden, ist hart. Ihn zu gehen, ist noch härter. Aber es lohnt sich, es dennoch zu tun.

Volo ist nicht gleich Volo

Was ich jedenfalls festhalten will: Volo ist eben nicht gleich Volo. Man sollte sich sehr genau überlegen, wo man sich ausbilden lässt. Mich würde es jedenfalls sehr ärgern, in meiner Ausbildung nicht die Förderung zu erhalten, die ich als aufstrebende Journalistin brauche und verdiene. Außerdem macht es auch nach Abschluss der Ausbildung einen Unterschied, wo man volontiert hat. In der Branche weiß man genau, wer gute und wer schlechte Volos anbietet. Ein großer Name schafft deshalb oft deutlich mehr Eindruck. Der Volontär vom MDR wird nach der Ausbildung wahrscheinlich bessere Job-Chancen haben als der vom Niederkirchener Tageblatt. Ich hoffe, ihr versteht an diesem Beispiel, was ich meine.


Wichtig ist auch, sich zu überlegen, in welche Richtung man überhaupt gehen möchte. Wer später hauptsächlich schreiben möchte, sollte sich eher nach Print- oder Online-Redaktionen umsehen, während Menschen, die vom Fernsehjournalismus träumen, sich entsprechend für Volos im TV-Bereich bewerben sollten. Das klingt banal, aber sei an dieser Stelle trotzdem erwähnt. Und wo wir gerade von TV sprechen: Auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland bieten Volontariate an. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen erst nach Jahren der Freien Mitarbeit überhaupt in die Volo-Auswahl kommen und es einfach verdammt schwer ist, Volontär bei den Öffentlich-Rechtlichen zu werden. Trotzdem würde ich mich auch über diesen Weg informieren und es bei Interesse einfach mal versuchen, denn die Ausbildung ist in der Regel sehr gut und die Bezahlung verhältnismäßig hoch.

Neben Redaktions-Volos gibt es auch noch Journalistenschulen, wie die Deutsche Journalistenschule. Dort werden alle zwei Jahre einige wenige Auserwählte in der Schule in München multimedial unterrichtet und absolvieren Praktika in verschiedenen Medienhäusern. Außerdem machen viele zeitgleich und dual ein Masterstudium in „Journalismus“ an der Ludwig-Maximilians-Universität. Was aus meiner Sicht für diese Ausbildung spricht ist, dass man anschließend nicht nur einen zusätzlichen Master, sondern auch praktische Erfahrungen in Print, Radio und TV vorweisen kann. Außerdem hat die DJS einen sehr guten Ruf und renommierte Dozenten.


Gegen eine Ausbildung an der DJS spricht für mich auf der einen Seite, dass die Journalistenschüler kein Geld verdienen, während es für Volos in den Redaktionen in der Regel ein – wenn auch bescheidenes – Gehalt gibt. Hinzu kommt, dass man nicht direkt an eine Redaktion angebunden ist und deshalb geringere Chancen auf eine Übernahme hat. Zum Beispiel kam mir zu Ohren, dass Menschen die bei der Süddeutschen Zeitung anfangen wollen und vorher an der DJS gelernt haben (DJS und SZ befinden sich in einem Gebäude), nach der Journalistenschule zum Teil TROTZDEM noch ein „richtiges“ Volontariat bei der Süddeutschen machen müssen. Ich stelle mir da die Frage, was die zwei Jahre an der DJS dann überhaupt bringen. Auch bei anderen Volos ist die Chance auf eine Übernahme nie zu hundert Prozent gegeben. Das muss jedem klar sein. Eine Ausbildungsredaktion ist in der Regel jedoch immer bemüht, fleißige Volontäre zu übernehmen oder zumindest weiterzuempfehlen. Ich glaube fest daran, dass kein guter Volo am Ende ohne Job dasteht.


Journalistenschulen: Das bessere Volo?

Viele Medienhäuser unterhalten eigene Journalistenschulen. Die Henri-Nannen-Schule gehört beispielsweise zu Gruner + Jahr und dem Zeitverlag. Die RTL Journalistenschule gehört, wie der Name schon sagt, zur RTL Mediengruppe, die Axel-Springer-Akademie zu Axel Springer und die Burda Journalistenschule zu Hubert Burda Media. An diesen Schulen findet der Unterricht für die Volontäre der Medienhäuser statt, die Praxisphasen absolvieren sie dann in der Regel an Stationen der jeweiligen Firmen. Journalistenschule ist also auch nicht gleich Journalistenschule.

Puh, ganz schön kompliziert, nicht wahr? Während des Schreibens merke ich selbst, dass es gar nicht möglich ist, alles genau abzubilden und jeden möglichen Weg aufzuzeigen. Ich habe schon zu Schulzeiten begonnen, mich mit den verschiedenen Möglichkeiten auseinanderzusetzen und zu überlegen, welche Richtung ich einschlagen will. Ich kann nicht zählen, wie oft ich mir gewünscht hätte, dass es mir ginge, wie meinen Freundinnen, die Ärztinnen werden wollen. Sie studieren Medizin und sind am Ende des Studiums Ärztin. Tada! Da gibt’s nicht so viel zu entscheiden.

Nachwuchsjournalisten leben hingegen mit der ständigen Ungewissheit, ob man den für sich richtigen Weg findet. Und dann kommen ständig ältere Journalisten und erzählen, dass sie „rein zufällig im Journalismus gelandet“ sind und als Quereinsteiger voll durchgestartet sind und einem überhaupt nicht sagen können, wie man das anstellen soll, mit dem Traum vom Journalismus. Mir ist wirklich kein anderer Beruf bekannt, bei dem die Ausbildung so unterschiedlich ablaufen kann. Aber es ist eben auch einer der interessantesten Berufe der Welt. Vielleicht muss deshalb die Suche nach dem richtigen Ausbildungsweg auch schon außergewöhnlich sein. Wäre ja sonst nicht schon spannend genug ;-) Letztlich kann ich jedenfalls sagen: Ich habe ein abgeschlossenes Volo! Das ist alles, was ich immer wollte. Wie mein Volontariat bei FOCUS und Hubert Burda Media rückblickend abgelaufen ist, erzähle ich euch in einem der kommenden Blogbeiträge.


Wege in den Journalismus: Informiert euch!

Wer noch am Anfang steht und sich für eine Ausbildung zum Journalisten interessiert, sollte sich unbedingt all die verschiedenen Wege genau anschauen und überlegen, welchen er selbst einschlagen will. Mein Tipp wäre jedoch definitiv, sich auf jeden Fall bei mehreren Institutionen zu bewerben, denn die Auswahlverfahren sind hart und man kann nicht fest damit rechnen, sicher beim eigenen Wunschkandidaten unterzukommen. Informationen und Tricks für die aufwendigen Bewerbungen findet ihr in diesem Blog-Beitrag. Und wenn ihr dann für ein Auswahlverfahren eingeladen seid, lest euch doch gerne meine Tipps für die Auswahltest durch.

Ich hoffe, ich konnte zukünftigen Anwärterinnen und Anwärtern ein paar Informationen zur eigenen Ausbildung mit auf den Weg geben. Dieser Text ist aber auch für Menschen gedacht, die mit Journalismus eigentlich wenig zu tun haben und jetzt hoffentlich ein bisschen besser verstehen, warum es mir immer schwerfällt, mich kurz zu fassen, wenn es um die Ausbildung zum Journalisten geht. Wenn mich wieder jemand fragt, warum ich eine Ausbildung mache („Du hast doch studiert?“) oder wieso ich keinen Master absolviert habe („Heutzutage kann man doch gar nicht mehr ohne Master!?“), dann werde ich einfach auf diesen Text hier verweisen. Easy! Wenn ihr Fragen habt, lasst es mich wissen und schaut euch zum Thema „Journalistische Ausbildung“ gerne auch die anderen Beiträge hier auf dem Blog und meinen eigenen Werdegang auf der Website an. Ich wünsche allen Zukunftjournalisten viel Erfolg und möchte zum Schluss sagen: Ja, den richtigen Weg zu finden, ist hart. Ihn zu gehen, ist noch härter. Aber es lohnt sich, es dennoch zu tun.

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