Volontariat bei Hubert Burda Media - Mein Rückblick

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ heißt es, und ich kann das nach fast zwei Jahren als Volontärin nur bestätigen. Doch ich kann auch sagen, dass mich diese Ausbildung sowohl beruflich als auch persönlich immens weitergebracht hat und ich auf Erlebnisse zurückschauen kann, die sich für immer in mein Herz gebrannt haben.

Amelie Marie Weber war Volontärin an der Burda Journalistenschule
Volontariat an der Burda Journalistenschule

Am 1. Oktober begann mein Volontariat an der Burda Journalistenschule (BJS). Ich hatte gerade erst mein Studium abgeschlossen und meine freie Mitarbeit beim SWR beendet, um nun endlich zur Redakteurin ausgebildet zu werden. Bereits im Frühjahr zuvor hatte ich diverse Aufnahmetests absolviert und mich schlussendlich für ein Volo bei Burda und FOCUS Magazin entschieden. Die Ausbildung an der BJS beginnt für alle Volontärinnen und Volontäre eines Jahrgangs – egal, in welchen Redaktionen sie später eingesetzt werden - am Hauptstandort in Offenburg. Ich nahm mir also ein WG-Zimmer in der Kleinstadt im Schwarzwald und verbrachte die kommenden vier Monate in diesem Örtchen, das außer seiner Nähe zu Freiburg und Strasbourg nicht allzu viel zu bieten hat und deshalb gar kein schlechter Standort zum Lernen ist. Schließlich kann man sich über zu viel Ablenkung definitiv nicht beschweren.


Volo an der BJS - Zurück auf die Schulbank

Die Tage an der Schule waren vollgepackt. Ich gebe zu, ich hatte mit dem klassischen Schulalltag nach meinem Abitur eigentlich abgeschlossen und musste mich erst daran gewöhnen, mit 23 Mit-Volos im „Unterricht“ zu sitzen, gemeinsam Gruppenarbeiten zu machen und von den Dozenten sogar für die mündliche Beteiligung bewertet zu werden. Jeden Tag von 9 bis 18 Uhr standen Seminare auf dem Programm. Es ging nicht langsam, sondern gleich mit Vollgas los und an den Wochenenden versuchte ich meist einfach nur irgendwie Kraft zu tanken, um montags wieder gute Leistungen abzuliefern.

Amelie Marie Weber, Volontärin bei FOCUS Magazin
Journalistin werden: Ein Volo ist harte Arbeit.

Doch die Themen begeisterten mich so sehr, dass ich immer gerne in die BJS kam. Neben allen klassischen Textformen, wie Feature, Reportage, Nachricht oder Portrait, hatten wir zum Beispiel Kurse in Interviewführung, Online Video, HTML, Fotografie und Presserecht. Beigebracht wurde uns das alles von erfahrenen Dozenten, die selbst jahrelange Erfahrung als Experten in ihrem Gebiet mitbrachten. Nach der Theorie erfolgte stets ein Praxisteil, in dem wir überprüfen konnten, ob wir das Erzählte auch tatsächlich verinnerlicht hatten. Ich lernte jeden Tag dazu und liebte es!

Zur multimedialen Ausbildung an der BJS gehört auch die Erstellung einer eigenen „Medienmarke.“ Das kann ein Instagramkanal, ein Podcast oder ein Videochannel sein. Unter der Anleitung kompetenter Dozenten untersuchten wir die Zielgruppe, überlegten darauf basierend, was die Marke beinhalten soll und kreierten schließlich das Projekt. Ich persönlich finde das eine großartige Sache, denn für moderne Journalisten ist es heute meiner Meinung nach unerlässlich, neue Medien und die Vermarktung der eigenen Arbeit zu beherrschen. Mit zwei meiner Focus-Kolleginnen schuf ich einen Instagram-Kanal, auf dem wir politische Nachrichten für junge Menschen aufbereiten wollten. Voller Elan legten wir los und hatten vor, den Kanal mindestens bis zum Ende unseres Volos fortzuführen.


Volontariat in Berlin und New York

Im Februar ging es für mich und die drei weiteren Focus-Volontärinnen dann nach Berlin. Doch wir starteten nicht sofort in der Redaktion, sondern belegten zunächst noch weitere Seminare, die uns speziell auf die Arbeit im Ressort „Politik und Wirtschaft“ vorbereiteten. Diese wenigen Wochen waren für meine spätere Arbeit extrem wertvoll. Wir besuchten gemeinsam die Bundespressekonferenz und verschiedene Pressesprecher. Unsere Dozenten zeigten uns, worauf es bei diesen Treffen ankommt und wir sammelten erste Kontakte. Sie erklärten uns, wie wir im politischen Berlin Fuß fassen und optimal recherchieren können. Schlussendlich sind das alles Dinge, die man erst später so richtig begreift und die ich auch jetzt – als fertig ausgebildete Redakteurin – nach wie vor perfektionieren kann und muss. Doch die allerersten Schritte nicht ganz alleine machen zu müssen, war für mich von großem Wert.

Amelie Marie Weber war als Journalistin in New York City, USA
Journalismus in New York City

Während sich meine drei Mitvolontärinnen dann ab März in der Focus-Redaktion am Potsdamer Platz einarbeiten konnten, hieß es für mich zunächst nochmal Abschied nehmen von meinem neuen Zuhause in Berlin, denn ich hatte das große Glück, gleich als erste in die Auslandskorrespondenz nach New York City geschickt zu werden. Bevor ich in die USA reiste, hatte ich großen Respekt vor diesem Kapitel. Ich war zuvor noch nie in New York gewesen, mein Englisch war nicht perfekt und dadurch, dass ich direkt zu Beginn des Volos in die USA ging, kannte ich auch meine Ansprechpartner in Berlin nicht. Ich hatte Angst, dass ich das alles nicht schaffen würde, dass ich gleich zu Beginn scheitern könnte. Doch einmal am Times Square angekommen, wollte ich gar nicht mehr weg. Ich habe auf meinem Blog bereits mehrere Artikel über meine Zeit in New York geschrieben: Lest hier, wo ich gewohnt habe, wie mein Arbeitsalltag aussah und welche Termine und Veranstaltungen ich besuchen konnte. Ihr werdet sehen, wie sehr ich mich in diese Stadt verliebt habe.


Die Monate in New York City haben mich verändert wie keine andere Zeit in meinem Leben. Seitdem ich als junge Volontärin alleine die Auslandskorrespondenz des FOCUS Magazins betreut habe - in einer Metropole, die ich nicht kannte und auf einer Sprache, die ich nicht perfekt beherrschte - weiß ich, dass ich einfach alles schaffen kann. Das macht mich stark.


Volo on Tour - Als Focus-Volontärin um die ganze Welt

Kaum zurück in Deutschland, setzte ich mich schon wieder in ein Flugzeug. Destination: Südafrika! Ich hatte in New York einen Typen interviewt, der Expeditionen auf der ganzen Welt organisiert. Er lud mich ein, seine nächste Reise nach Südafrika zu begleiten und darüber zu schreiben. Zu meiner eigenen Überraschung willigte der FOCUS-Chefredakteur ein und gestattete mir die Reise. Diese Tatsache rechne ich meiner Ausbildungsredaktion hoch an. Es ist nicht selbstverständlich, dass einer Volontärin dieses Vertrauen entgegengebracht und ein solches Erlebnis ermöglicht wird. Leider erschien der Text über meine Afrika-Reise nie im Heft. Auch das gehört dazu: Lernen, dass man gerade im Magazinjournalismus auch immer wieder Texte produziert, die am Ende nicht veröffentlicht werden. Stattdessen habe ich den Text über Südafrika letztlich zumindest hier auf meinem Blog gepostet. Ich freue mich, wenn ihr ihn lest.


Nach Südafrika begann dann auch für mich endgültig der Redaktionsalltag bei Focus. Zugegeben: Es war nicht leicht, in den Trubel einzusteigen. Die anderen Volontärinnen hatten sich schon ein wenig eingearbeitet und mit den Kollegen bekannt gemacht, während ich einerseits die „Neue“ war, zum anderen aber auch irgendwie schon dazu gehörte, denn man kannte mich ja zumindest durch die Mails aus New York. Ich versuchte mir also einen Überblick über die Abläufe in der Redaktion zu verschaffen und mich so gut es ging einzubringen.

Bei meinen ersten beiden Focus-Texten handelte es sich quasi noch um Mitbringsel aus New York. Der erste war ein Bericht im Kulturteil über Ian Mangiardi, den Mann, der mich mit nach Südafrika genommen hatte. Meine zweite Geschichte war ein Portrait der Generation Z. Die Idee dazu kam mir, als ich während meiner Zeit in den USA die Eliteuniversität Yale besuchte. Im Laufe des Sommers folgte eine Geschichte über die Online Bank Klarna, ein Interview mit dem CDU-Politiker Philipp Amthor und ein ausführlicher Bericht über Mama-Influencerinnen. Hinzu kamen zahlreiche kleinere Texte und Nachrichten. Ich bin sehr froh und auch ein bisschen stolz, mit gerade mal 24 Jahren schon so viele Geschichten in einem der größten Nachrichtenmagazine Deutschlands veröffentlicht zu haben und es war mir eine besondere Freude, dass es dabei meist um junge, moderne Themen ging, die mir selbst am Herzen lagen.


Volontariat - So hart ist es wirklich

Doch zur Wahrheit gehört auch, dass mir jeder Text wahnsinnig viel abverlangte. Ich zweifelte permanent an meinem Schreibstil und wusste oft gar nicht, wo ich anfangen sollte, weil es sowieso nie gut genug sein würde. Bei einem so großen Magazin ist es ganz normal, dass viele verschiedene Menschen nochmal über den eigenen Text lesen und ihre Meinung einbringen wollen. Das kann hilfreich sein, aber eben auch ganz schön verwirrend.

Ich möchte hier nicht behaupten, dass ich keine Korrektur benötigt hätte. Im Gegenteil! Ich weiß genau, dass ich mich stetig verbessern musste und muss. Aber trotzdem sei jeder angehenden Journalistin und jedem angehenden Journalisten gesagt: Leg dir ein dickes Fell zu, wenn du in einer Redaktion bestehen willst. Auch der permanente Stress, die taffen Arbeitszeiten und die anstrengende Zusatzaufgabe -- die ich mir selbst auferlegte -- im politischen Berlin Kontakte zu knüpfen, indem man nach der Arbeit noch von einer Veranstaltung zur nächsten rennt, ließ mich an meine Grenzen kommen. Der politische Instagram-Kanal, in den wir anfangs so viel Zeit investiert hatten, lief überhaupt nicht gut und ich hatte keine Kraft mehr, mich ihm so hingebungsvoll zu widmen, wie ich es mir gewünscht hätte.

Nein, ich werde all die anstrengenden Stunden nie vergessen. Aber ich werde eben auch nie das Gefühl vergessen, das ich hatte, wenn ich samstags zum Kiosk ging, den Focus kaufte und ein Heft mit meinem Text in der Hand hielt. Es war die Belohnung für all die schlaflosen Nächte, die ich in dieser Zeit hatte.

Gaststation bei der Funke Mediengruppe

Bevor es im Dezember für mich zu einer weiteren Station meines Volontariats gehen sollte, trat ich noch eine weitere wunderschöne berufliche Reise an. Nikolaus von der Decken, der Schulleiter der BJS, leitete unserem Jahrgang regelmäßig Ausschreibungen für junge Nachwuchsjournalisten weiter. Im November machte er uns auf die Möglichkeit aufmerksam, sich für ein Presseseminar in Russland zu bewerben. Wer den Text bis hierhin gelesen hat, hat wahrscheinlich schon verstanden, dass ich beruflich wahnsinnig gerne reise und es war für mich selbstverständlich, dass ich es zumindest versuchen wollte. Die Zusage kam tatsächlich und FOCUS gestattete mir, diese Chance wahrzunehmen. Ich bin sehr dankbar, dass sowohl der Verlag, als auch die Redaktion hier so offen waren und kann nur jedem zukünftigen Volo raten, hier Eigeninitiative zu zeigen und solche Gelegenheiten nicht verstreichen zu lassen. Vor allem diese Erinnerungen sind es, die mich mit einem Lächeln an meine Ausbildungszeit zurückdenken lassen.

Nach Russland verließ ich den Focus dann für ganze drei Monate: Ich wurde der Zentralredaktion der FUNKE Mediengruppe "ausgeliehen." Chefredakteur Jörg Quoos war einst selbst Focus-Chefredakteur und ließ sich auf eine Kooperation mit der BJS ein. Wir Focus-Volontärinnen konnten so das Geschehen in einer Tageszeitungsredaktion erleben und außerdem Online-Erfahrungen sammeln. Die waren bei unserer Magazin-Stammredaktion, die bekanntlich strikt von Focus Online getrennt ist, nämlich nicht möglich. Über meine Zeit bei FUNKE habe ich einen ausführlichen Beitrag auf dem Blog geschrieben. Der Abschied von Funke im Februar 2020 fiel mir nicht leicht, wusste ich damals doch noch nicht, dass er nur auf kurze Zeit sein würde.


Jobsuche in der Krise - Mein Corona-Wunder

Im März und April stand ein weiterer Schulblock in Offenburg an. Endlich sah ich meine lieben Kolleginnen, die bei Zeitschriften am Hauptsitz volontierten, wieder! Die Politik-Medienmarke war inzwischen eingestampft worden und ich war überaus motiviert, während der Zeit in Offenburg ein neues Projekt zu starten. Doch dann kam Corona. Erstmals in der Geschichte der Burda Journalistenschule wurde ein Schulblock abgebrochen und die Volos nach nur zwei Wochen in Offenburg, ohne vollendetes Projekt zurück zu ihren Stammredaktionen geschickt. Für mich bedeutete das: Home Office für Focus. Es funktionierte wirklich gut. Natürlich lief aufgrund von Corona alles anders als geplant, aber im Nachhinein bin ich der Meinung, dass es eine sehr lehrreiche Erfahrung war, bereits während der Ausbildung an das Arbeiten von Zuhause gewöhnt zu werden. Außerdem erlebte ich als Journalistin eine spannende Zeit und schrieb über Corona-Verbote, Home Office-Liebhaber und die Helden der Krise.

Und dann geschah mein eigenes kleines Corona-Wunder. Denn während ich mich bereits mit dem Gedanken abfand, mich in der Krise auf eine schwierige Jobsuche machen zu müssen, weil in den Redaktionen kein Geld für Übernahmen oder Neueinstellungen vorhanden war, bot mir die Funke Mediengruppe tatsächlich eine Stelle als Redakteurin an. Wann? Am besten so schnell wie möglich! Ich zögerte nicht, denn ich hatte mich bei Funke wahnsinnig wohlgefühlt und freute mich riesig über diese Chance. Burda gestattete mir aufgrund der außergewöhnlichen Umstände, mein Volontariat drei Monate früher zu beenden und die Stelle anzutreten. Dafür bin ich meinem Ausbildungsverlag sehr dankbar.

Amelie Marie Weber hat ein Volontariat beim Focus Magazin von Hubert Burda Media absolviert
Volo abgeschlossen! Ich bin jetzt Redakteurin.

Und nun ist es soweit. Statt wie ursprünglich geplant am 30. September, verlasse ich den Focus bereits zum 30. Juni und darf mich ab dem 1. Juli ganz offiziell als ausgebildete Redakteurin bezeichnen. Ein Meilenstein, auf den ich lange hingearbeitet habe. Ich schaue zurück auf dieses Volo - die Höhen und die Tiefen - und bin sehr dankbar für jede einzelne Erfahrung. Oft dachte ich, diese anstrengende Zeit würde nie enden und jetzt ging sie doch verdammt schnell vorbei. Mit meinem abgeschlossenen Volontariat endet ein wichtiges Kapitel, für das ich sehr dankbar bin. Doch der wahre Spaß beginnt erst jetzt. Ich freue mich drauf.

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